Begrüßt wurden die Teilnehmer vom 1. Vorsitzenden der SSKF Hans Samuelsson. Die Gesprächsleitung übernahm der Vorsitzende der technischen Kommission der SSKF Ole Madebrink. Er fasste kurz die Beschlüsse der letzten 4 Meetings seit 1882 zusammen:

  1. 1982 waren es die Vereinigungen aus England und Deutschland, die von der SSKF eingeladen wurden. Es ging um den neuen Kunststoffbau von 30ern, der eine Vergleichbarkeit zu den älteren Holzbooten Gewähr leisten sollte. Ein anderes wichtiges Thema war der internationale Status der Klasse, der von den Schweden auch in den folgenden Jahren immer wieder angestrebt wurde.
  2. 1986 trafen sich die gleichen Vereinigungen in Kopenhagen wieder. Es ging um die Ablehnung eines Neubaus (Müller) durch die deutsche Vereinigung, der aber vom schwedischen Verband (SSKF) anerkannt wurde. Neue Aluminiummasten waren ein anderes Thema und wieder wurde der internationale Status, den die schwedische SSKF anstrebte, diskutiert. Das Interesse der deutschen Vereinigung daran war zum damaligen Zeitpunkt jedoch gering. Man wollte eigene Wege gehen.
  3. 2001 gab es ein 3. Treffen in Stockholm. Es ging um die Klassifizierung von Kunststoffneubauten durch die SSKF, die „Swedish-Rule“ wurde ins Englische übersetzt und man diskutierte die Problematik neuer Materialien im Bereich der Segel und der Riggs.
  4. 2006 dann das große Treffen in Vorbereitung auf die 100 Jahr Feier in Saltsjöbaden. Teilnehmer waren diesmal Finnland, USA, Deutschland und Schweden. Als Grundlage für die Vermessung der ungarischen Boote wurde die Rule von 1935 bestimmt. Von Seiten der Schweden wurde eine neue internationale Web- Site angeregt und die Beiträge für das 100-Year-Book besprochen und festgelegt.
  5. 2011: Das neuerliche Treffen 2011 in Stockholm brachte die Vereinigung der ungarischen 30 er, der süddeutschen internationalen IV 30 SK und der international und nationalen Sesca/NSK an einen Tisch.


Verlauf des 5. SSKF- Meetings in Stockholm, 05. November 2011:

Das technische Komitee der SSKF führte durch einzelne Kurzreferate in die Sitzungspunkte ein.

Bo Bethge, Mitglied des SSKF Vorstandes und des „Technical Board“ der SSKF, erklärte die Entstehung und die Entwicklung der „Swedish–Rule“ von 1908 bis heute. Ein wesentliches Merkmal der Entwicklung ist das Bemühen der SSKF einerseits, die Regel behutsam weiterzuentwickeln und so vor allem den technischen Entwicklungen des Yachtsports (neue Materialien, neue Techniken im Boostbau, etc.) Rechnung zu tragen; andererseits geht es der SSKF als „Erfinderin“ der Regel darum, einer einheitlichen Version der Regel auch international zur Gültigkeit zu verhelfen. Dagegen steht eine Entwicklung, die vor allem nach dem zweiten Weltkrieg zu einem „Auseinanderdriften“ der Regel in den unterschiedlichen Revieren bzw. Nationen führt.

Die ungarische Vereinigung der 30qm Schärenkreuzer und die auf den Bodensee fokussierte, „Internationale Vereinigung der 30er Schärenkreuzer“, gehen eigene Wege und verfolgen mehr oder weniger die Idee einer Einheitsklasse. Während die Ungarn, bedingt durch den „eisernen Vorhang“,SSKF-Techniktreffen_Stockholm_Nov._2011_-_IMG_2230_web bis zum Fall der Berliner Mauer weitgehend auf sich gestellt waren und daher eine gröβtmögliche Einheitlichkeit der in Ungarn segelnden Dreissiger vor allem hinsichtlich des Gewichts, des Tiefgangs und der projizierten Segelfläche anstrebten, um den Schärenkreuzern in Ungarn das Überleben trotz der Isolierung zu sichern, ist das Streben nach Einheitlichkeit innerhalb der deutschen Vereinigung einer bestimmten Anzahl von Kunststoffbooten aus ein- und derselben Form geschuldet und dem Glauben, mit einer Beschränkung auf diese Form innerhalb bestimmter, engbemessener  Toleranzen (Stichwort „Tabelle B“), mehr Neubauten zu fördern und dies zu bezahlbaren Preisen;  Letzteres hat sich leider bis heute nicht bewahrheitet. Auch die aus den letzten Jahren stammende Festlegung der deutsch-internationalen 30er-Vereinigung auf den „Bijou-Typ“ bei Neubauten (Ausnahme sind lediglich Schiffe, die nach einem Riss gebaut werden, der vor 1984 gezeichnet und nach dem mindestens ein Schiff bereits gebaut wurde) ist eine Folge dieses Glaubens.

Sowohl die Entwicklung in Ungarn als auch die am Bodensee vorangetriebene führt letztlich dazu, dass Neubauten beider Länder nicht mehr als Schärenkreuzer im eigentlichen Sinn der schwedischen Schärenkreuzer-Regel als Konstruktionsklasse zu bezeichnen sind. In der Folge nimmt die einheitliche Interpretation der Regel bis zum Ende des letzten Jahrhunderts weiter ab.

Von der SSKF aus wird deshalb durch Olle Madebrink einmal mehr der Vorschlag gemacht, durch eine gemeinsame Revision der unterschiedlichen Auffassungen zu einer gemeinsam harmonisierten Regel zurück zu kommen. Er schlägt vor, den internationalen Status einer „recognized class“ durch die SSKF bei der ISAF zu beantragen, um alle Schärenkreuzer unter einem gemeinsamen, internationalen Dach zu vereinen. Die Sesca/NSK befürwortet diesen Vorschlag nachdrücklich, die ungarische und die IV30 SK stehen diesem Vorschlag noch verhalten gegenüber. Die Vertreter der "Internationalen" Vereinigung der 30er" schlagen zunächst das Einsetzen zweier internationaler Kommissionen vor, einer „technischen“ und einer „strategischen“, dem die SSKF notgedrungen zustimmt, da andernfalls auch dieses 5. Treffen im Hinblick auf die angestrebte Harmonisierung der Regel keine greifbaren Ergebnisse zeitigen wird.

Bedauerlicherweise gibt es damit in diesem wichtigen Punkt auch nach nunmehr 30-jährigem Streben der Schwedischen SSKF nach der sinnvollen Harmonisierung der Regel noch keinen erkennbaren Durchbruch. Immerhin wird von der ungarischen Vereinigung der Wille bekundet, in der Zukunft zu einer gemeinsamen Regel zurückfinden zu wollen. Für die SESCA/NSK stellt sich dieses Problem nicht, hat sie doch die “Schwedische Regel“ in Ihrer Satzung verankert, um damit der Gründung dieser Konstruktionsklasse durch die SSKF Rechnung zu tragen und zugleich dem Vertrauen der SESCA/NSK in die erfolgreiche Arbeit der SSKF für den Fortbestand der Schärenkreuzer auch in den kommenden Jahrzehnten zum Ausdruck zu verleihen.


Neue Regel für Holzmasten der 15er bis 40er Schärenkreuzer, gültig ab der Hauptversammlung der SSKF in 2011:
Im Anschluss an das Thema "Harmonisierung der Rule" wird die von der SSKF erarbeiteten Neuregelung der Holzmasten vorgestellt. Ziel dieser Neuregelung ist eine Gleichstellung mit den im Augenblick bevorzugten Aluminiummasten.

Das Konzept einer neuen Mastregel der SSKF für die Schärenkreuzerklassen 15, 22, 30 und 40 qm verfolgt das grundsätzliche Ziel, für alle Masten gelten die gleichen Vermessungsbestimmungen, unabhängig von Konstruktion und Material. Die Fläche des Masts gegen den Wind und das Masttopgewicht sind in Zukunft relevant.

  • Berechnung der Fläche gegen den Wind:
    Min. Fläche A in   qm     Klasse
                              O,875     15
                               1,109     22
                               1,352     30
                               1,672     40

A = ( Do + 4 D1 + 2D2 + 4 D3 + D4 ) x H / 12 ,  wobei

Do = Baummarke
D1 = 1/4 M
D2 = 1/2 M
D3 = 3/4 M
D4 = Mastmarke Top
Bei drehbaren Masten ist der Längsdurchmesser 1.5 – 2.0 der Breite.

  • Topgewicht des Masts:

MTG = K x ( M X M  - R x R )  /  2M, wobei die Konstante K in der Klasse

15 =2,58  22 = 3,56,  30 = 4,69 ,  40 = 6,10 ist.

M = Abstand Baummarke bis Mastmarke Top
R = Abstand Baummarke bis Mastunterkante

 

  • Aufgelegt wird der Mast an der Baummarke und an der Topmarke. Gewogen wird mit allen Beschlägen, Verstagungen und Fallen.
  • Die englische Fassung wird zeitnah auf der SSKF- Internetseite veröffentlicht.

Europacup der 30qm Schärenkreuzer, internationale Schwedische Meisterschaften der 22qm Schärenkreuzer 2012 in Nyneshman:
Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Vereinslokal der SSKF werden die Regularien für den anstehenden Europacup 2012 in Nynäshamn besprochen. Da alle beteiligten Vereinigungen guten Willens sind, wird der ungarischen 30er Flotte eine Zusage zum Cup gegeben. Die nötigen Änderungen in Bezug auf Rigg und Segel werden kurz besprochen und dann einstimmig verabschiedet. Für den Europa-Cup werden gültige Messbriefe erwartet. Daraus entsteht eine kurze Diskussion über Boote, die älter als die 1925 erlassene, gültige Regel sind. Auch diese sind zugelassen, müssen jedoch den damals gültigen Bestimmungen entsprechen. Um etwaige Fragen kümmert sich die SSKF.

Im Anschluß stellt Bengt Parmell von der SSKF das Programm für den Europa-Cup 2012 vor. Ansprechpartner in Deutschland ist Nikolaus Köpfer von der Sesca/NSK. Alles weitere diesbezüglich folgt per Information an die Mitglieder der Vereinigungen und über die Homepage der SESCA/NSK unter www.sesca-online.eu.

Bei der Klasse der 22qm Schärenkreuzer am Bodensee gibt es Vermessungsprobleme. Riggs und Segel entsprechen nicht der Schärenkreuzerregel.
Um dieses Problem wird sich die NSK und der neue Vermesser des DSV für alle Schärenkreuzerklassen -Pascal Kuhn- kümmern.

Mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Stockholmer Bräuhauskeller, in Gedenken an die Stammtisch- Segler in Bayern, wird dieses Meeting launisch bei Schweinshaxe und Schnitzel beendet. Über die Uhrzeit schweigt der Verfasser.

Alles in Allem ein wichtiges und erfolgreiches Treffen. Man darf auf die weiteren Schritte in Richtung einer „Recognized Class“ gespannt sein.


Ihre SESCA/NSK.

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SESCA                           NSK
Thomas Schindler            Jo Frowein 

22. November 20112008-01-02_2038.png  


 Die offizielle Homepage der SESCA: www.sesca-online.eu