Wie ich zur Hathi fand

[von Jo Frowein, Freiburg i. Br.]

 

Eigentlich beginnt meine Geschichte mit der "Hathi" mit einem Unglück. ein guter Bekannter, ebenfalls Segler und Architekt, war vor mir hinter der "Hathi" her, hatte schon Gespräche geführt. Dann plötzlich, bei einer seiner vielen Afrika-Reisen, ein schwerer unfalll. Der Jeep überschlug sich mehrmals, Wolfgang brach sich mehrere Wirbel und hatte danach grosse Rükenprobleme. "Ich komm' da nicht rein, das ist viel zu flach für mein kaputtes Kreuz" und "Schau Du Dir's mal an". Das tat ich und war spontan begeistert. "Was gut aussieht, läuft auch gut", dachte ich und war fest entschlossen. Ein Schiff wie ein Surfbrett, völlig flach im Wasser liegend, mit traumhafen Linien. Der für Rasmussen bekannte S-Schlag in der Deckslinie macht's aus. Das Surfen hattte ich gerade hinter mich gebracht, wollte jedoch beim Segeln bleiben. "Clever mitsegeln".
hathi_surfbrett_nk_f._web_orig._geschichte_s.4.jpg

Es begann nun eine kurze Verhandlung über den Preis, bei der ich Hans-Peter, der Vorbesitzer, als echter Schwabe erwies. Keine Mark gab er nach. Eigentlich wolllte er gar nicht verkaufen. Seiner Frau zuliebe, ihr war das Schiff einfach zu flach. Stehhöhe, Kühschrank, jeder von uns Dreissigerseglern kennt das Problem mit der Frau [ich nicht, d.S.]. Also schlug ich ein und damit zu und die feierliche Übergabe, die annähernd 12 Stunden dauerte, konnte stattfinden. So lernte ich den harten Kern von Langenargen kennen, ich glaube, es ging bis morgens um vier, aber so genau weiss ich das nicht mehr.

Erste Schläge bei Wind zeigten, dass Hans-Peter mehr am Freizeitsegeln Interesse gehabt haben muss. Ich wollte jedoch regattieren, natürlich nur zum Spass, und entschloss mich zum Umbau. Dazu besorgte ich mir die alten Pläne bei Abeking & Rasmussen. Rückbau zum Originalzustand war und ist bis heute meine Devise. Das Schiff war leegierig, d.h. das J-Mass musste wieder zurückgenommen werden. Der auf Deck stehende Mast sollte wieder auf den Kiel zurück, da zuviel Kräfte aus dem Rigg in die Aussenschale gingen.

Danach kam das Cockpit dran und, und ... und so basteln wir noch heute. Die Substanz des Schiffes ist heute wieder hervorragend. Hans-Peter hatte die "Hathi" schon runderneuert, ich geb' ihr den "Rest". Bei meiner Recherche zum Schifff und zu den Plänen stiess ich auf den Namen Johann Theede. Er war der Auftraggeber, damals Ehrenkommodore des Kieler Yachtclubs und - der Zufall will es - auch Architekt. Und er hatte mit der "Hathi" den Hoover Cup 1229 vor Marblehead mitgesegelt und gewonnen. Es war jedoch nicht meine Hathi, wie sich herausstellte, sondern die G48, das ganz ähnliche Vorgängerschiff. Theede liess sich dann, ganz im Stile der damaligen Zeit. noch ein Nachfolgeschiff zu meiner "Hathi" bauen. Diese dritte "Hathi" erlebte er nicht mehr. Er starb 1933.

 hathi_in_kiel_1936_orig._geschichte_s.2.jpg

Meine "Hathi" wurde einem Clubkameraden verkauft, der ebenfalls sehr erfolgreich mit dem Schiff segelte, wie in den Ausgaben der Yacht aus der Vorkriegszeit nachzulesen ist.

Nach dem Krieg kommt das Schiff an den Bodensee. Dort werden weiterhin mit dem Schiff ambitioniert Regatten gesegelt. Es wechselte zwar immer wieder den Besitzer, bleibt dennoch im Yachtclub Langenargen und ist heute über fünfundfünfzig Jahre dort. Den vielen erfolgreichen Vorbesitzern versuche ich es bei Regatten gleichzutun, jedoch bis heute nur mit mässigem Erfolg. Nie ganz an die Grenze gehend, vielleicht in der Einsicht, dass die "Hathi" inzwischen doch schon 79 Jahre auf dem "Buckel" hat.

img_1080_web.jpg
Münsterbaumeisterin grüsst Meisterbau: Frau Faller und die G71 im Mai 2010 vor dem Kölner Dom...

 

Die G71 "Hathi" auf der Rheinwoche 2010 zwischen Köln und Düsseldorf...
Die G71 "Hathi" auf der Rheinwoche 2010 zwischen Köln und Düsseldorf...
 
Nach Jahrzenten zu Gast in der alten Heimat: Die G71
Nach Jahrzenten zu Gast in der alten Heimat: Die G71 "Hathi" am Niederrhein...
 

img_1320_web.jpg

img_1322_web.jpg 

C) Text & Photos: Jo Frowein 2010